Ein «richtig geiler» Siegerpreis

Philipp Bosshard ist der beste junge Automobil-Mechatroniker im Kanton Zürich. Der Lernende von der Amag-Winterthur kann sich mit seinem Sieg an den Zürcher Berufsmeisterschaften einen Traum erfüllen.

sco. Dieser Traum ist weiss-rot und fuhr am letzten Wochenende am Grand Prix von Brasilien auf den siebten Platz: Bei Sauber Alfa-Romeo darf Philipp Bosshard ein dreitägiges Schnupperpraktikum absolvieren. Auf die zweit- und drittplatzierten Patrick Furrer und Marco Ruckstuhl warten ebenfalls spannende und attraktive Schnuppertage bei Emil Frey Racing, das mit Jaguar an den Blancpain Endurance Series teilnimmt.

Erstmals fanden die Berufsmeisterschaften der grössten Schweizer AGVS-Sektion nicht im Provisorium neben den Messehallen statt, sondern mitten in Halle 6. Die Zuliefermesse Autotecnica gewährte dem «Brain Village» für den Berufsnachwuchs auf rund 450 Quadratmetern Gastrecht. Dort präsentierten die Partnerverbände AGVS; VSCI und Astag erstmals gemeinsam unter dem Motto («Mechen», «Chlopfe», «Fahre») die verschiedenen beruflichen Grundbildungen in Auto-, Carrosserie- und Transportgewerbe.

Dodo begeisterte mit Gratiskonzert
Rund 200 Zuschauer, natürlich vor allem Angehörige und Freunde der 60 Teilnehmenden, aber auch Messebesucher, lockte die Siegerehrung der Zürcher Berufsmeisterschaften am Sonntagnachmittag an. Geködert wurden sie mit einem Gratis-Konzert von Dodo. Der Zürcher Musiker und Produzent ist spätestens nach seinem Hit «Hippie-Bus» einem breiteren Publikum bekannt und sorgte mit einem sympathischen Auftritt für Stimmung. Anschliessend posierte der 31-jährige Zürcher geduldig für unzählige Fotos und signierte Autogrammkarten.

Zwischen den beiden Auftritten von Dodo gehörte die Bühne im «Brain-Village» den Lernenden. Neben den besten Automobil-Mechatronikern und Automobil-Fachleuten wurden auch erfolgreiche Teilnehmer der beiden Flüchtlingsprojekte «Riesco» und «integrative Vorlehre» ausgezeichnet.

Zwei der Flüchtlinge sind im Rahmen der integrativen Vorlehre in der Garage Wehntal bei Christian Müller tätig. Der Zürcher FDP-Kantonsrat und Präsident der AGVS-Sektion Zürich freute sich in seiner kurzen Ansprache über den «wunderbaren, tollen Auftritt für unser Gewerbe und unseren Verband». An den vier Messetagen fanden mehr als 250 eingeladene Oberstufenschüler aus fast 20 Schulklassen den Weg ins «Brain-Village» und informierten sich aus erster Hand über die Karrierechancen im Autogewerbe. Auch am Sonntagnachmittag waren vor allem Buben am AGVS-Stand damit beschäftigt, aus vorgestanzten Teilen kleine Modell-Rennautos zu basteln.

Das Berufsbildungsteam des AGVS Zürich um Andreas Billeter und Klaus Schmid hat sämtliche Kontaktdaten der 250 Schülerinnen und Schüler erfasst. Der Köder ist ausgelegt; jetzt gilt es, im Kampf um talentierten Berufsnachwuchs nachzufassen. «Der Auftritt in Halle 6 hat uns sicher geholfen», stellt Andreas Billeter zufrieden fest.

So wurde das «Brain-Village» am Donnerstagabend auch zum Podium für eine engagierte Diskussion zum Thema Bewerbungen. Erörtert wurden die Fragen, wie sich die Schülerinnen und Schüler von heute in einer digitalen Welt bewerben und welche Folgen dies für die Garagenbetriebe hat. Teilnehmer waren Olivier Maeder, der in der AGVS-Geschäftsleitung für den Bereich Bildung verantwortlich zeichnet, Kurt Giger, Leiter Sales- und Aftersales-Service bei der Ruckstuhl-Gruppe, Michael Jacobsen, Mitglied der Unternehmensleitung beim Lehrstellenportal Yousty, sowie zwei Lernende in ihrem ersten Lehrjahr.

«Das wird richtig geil»
Zurück zu Sonntag: Während der Nachwuchs am Stand kleine Modellautos zusammenschraubte, darf Philipp Bosshard nächstes Jahr bei Sauber in Hinwil im Rahmen eines Schnupperpraktikums an die echten Formel-1-Boliden. «Das wird der Hammer. Das wird richtig geil», freute sich der Sieger der Zürcher Berufsmeisterschaften, der an der Siegerehrung von zwei Sauber-Mitarbeiterinnen schon mal mit der passenden Baseball-Mütze und einem Rucksack ausgestattet wurde.

Er habe schon während des Wettkampfs ein gutes Gefühl gehabt, sagte der Lernende der Amag Winterthur. Am Ende setzte er sich in einem spannenden Wettkampf vor Patrick Furrer (Ernst Ruckstuhl, Winterthur) und Marco Ruckstuhl (Hutter Auto, Riedbach) durch. Im Sommer endet seine vierjährige Berufslehre mit dem Qualifikationsverfahren.

Zudem schliesst er die Berufsmittelschule ab. Wie es nach der beruflichen Grundbildung weitergehen wird, weiss Philipp Bosshard noch nicht: «Sicher mache ich im Sommer die Rekrutenschule. Danach folgt vielleicht ein Studium – ich will mir alle Möglichkeiten offenhalten.» Eines sei aber jetzt schon sicher: «Ich werde der Autobranche treu bleiben.»